9 Regeln des Night Writers

9 Regeln des Night Writers

Sind Tage und Nächte warm, kann rund um die Uhr draußen gearbeitet werden. Aber auch kältere Jahreszeiten haben ihre Vorzüge: längere Dunkelzeiten zum Beispiel. Weil nicht jede Arbeit unbedingt Tageslicht braucht. Dir jucken die Finger und du möchtest endlich draussen sprühen? Schön! Damit gehörst du statistisch zu den restlichen 80% der Population unter 25. Anscheinend will heute jeder Graffiti-Writer werden. Vor allem Anfänger sorgen bei der Outdoor-Arbeit statistisch für Auffälligkeiten. Wer nicht gründlich vorbereitet ist, wird wahrscheinlicher mit den Ordnungshütern konfrontiert und hört — statistisch gesehen — eher mit dem Hobby auf. Ganz einfach. Ein paar klare und praktische Regeln für dich, junger Padawan. Halte dich an diese und du wirst mehr Bilder malen können. Alle erfahrenen Evergreens mögen einen nostalgischen Rückblick haben und auf einen steinigen Pfad aus Anfängerfehlern zurück schauen. Location, location, location Graffiti ist nicht nur lossprühen. Ein derber Spot, vor allem in städtischen High-Traffic Gegenden, bedürfen gründlicher Vorbereitung. Deine Schritte: Mindestens ein mal tagsüber die Gegend anschauen. Wie sind Zufahrten und Zugänge zu dem Spot? Von wo könntest du gesehen werden und woher könnte dein Besuch kommen? Mindestens ein mal nachts den Spot beobachten. Wieviel Verkehr ist Nachts? Patrouille? Passanten? Schaue dir auf Google Maps den größeren Zusammenhang an. Erstelle mindestens zwei mögliche Fluchtrouten. Wo könntest du schnell verschwinden? Wo sind große offene Flächen, die es zu meiden gilt? Wie abgelegen bzw. viel befahren ist der Spot? Daraus ergibt sich auch eine realistische Einschätzung, wieviel Zeit du für das Piece haben wirst: ob Allnight-Burner oder 5-Minuten-Quickie. Sei realistisch. Klamotten Dehnbare Sachen, wie Jogginghosen und Pullis, eignen sich mehr. Je dunkler sie sind, umso besser. Je durchschnittlicher, umso besser....

Über Fotoshootings von Streetclaim-Produkten

Wir werden oft gefragt, wie unsere supergeilen Fotos für die Streetclaim-Produkte geschossen werden. Nun, es ist kein wirkliches Geheimnis und der Vorgang ist sehr «straight forward». Zuerst stellen wir natürlich geile Produkte her. In diesem Falle sind es neue T-Shirts und Soundbombing-Motive. Hochwertig hergestellte, 100% Bio-Baumwollshirts tragen sich sehr leicht und lassen sich prima bedrucken. Solche hochklassige Ware wird dann von unseren Models stimmig zur Geltung gebracht. Wir sparen nicht an der Vorbereitung und Ausführung unserer Shootings und würden es auch allen empfehlen. Wir vergessen dabei nie, «REAL» zu bleiben. Es ist Streetwear – Strassenshirts für krasse Headzz – deswegen darf es nicht nach Werbung von H&M schmecken: Außer professionellen Models wird noch das passende Ambiente gesucht. Für Graffitiwear gibt es nichts besseres als zugemalte Fassaden der Stadt. Graffiti ist eine Kultur, eine Hingabe und die Stadtwand ein perfekter Träger. So suchen wir uns passende Gegenden aus: Danach wird das Model aus dem Rucksack ausgepackt, in die Klamotte eingepackt und abgelichtet. Es dauert immer eine Weile, bis das Model warm ist und den passenden Ausdruck erwischt: Die richtige Mimik ist so wichtig, wie Lichteinfall und Hintergrund. Es ist nicht alles Klamotte: Jedes Shirt muss anders angegangen werden, jedes Produkt hat Eigencharakter: Anschließend geht es in Lightroom und Photoshop weiter. Die besten Bilder werden ausgesucht: Kleine kosmetischen Macken, wie Leberflecken im Gesicht, Augenringe, überschüssige Gesichtsbehaarung, unvorteilhafte Asymmetrien oder fehlende Zähne werden mithilfe dieser professionellen Werkzeuge korrigiert, so dass ein sauberes Bild am Ende bleibt: Produkte glänzen erst dann, wenn alles perfekt zusammenpasst. Das Model muss ein Profi in seinem Fach, die Hintergründe müssen passend zum Geist des Produkts und natürlich auch die Technik...

Making of: David

Die besten Eltern der Welt sind jene, die ihren Kindern super geile Wände im Zimmer schenken. Ein Glück, mit solchen Familien zu tun zu haben. Diesmal sollte ein Evol Original Wall Piece ein Zimmer schmücken. Wie immer, erst das Format bestimmen. Ein Wandabschnitt im Zimmer:   Die Vorstellung des Auftraggebers sieht in etwa so aus: Paar Skizzen werden vorbereitet. David entscheidet sich prompt für die zweite. David selbst möchte es old-school schwarz-weiss plain and simple. Die Eltern haben bedenken, dass es zu einfach sein könnte. Paar Varianten für die Farbrichtungen:   Wir einigen uns auf die Old-School-Variante und versprechen, dass es gut sein wird. Dosen einpacken, Auftraggeber begeistern:   Kurzer Zusammenschnitt der eigentlichen...

Intro: Sönke Busch

Federvirtuose Sönke schreibt groß und feinfühlig. Zu hören jede Woche in seiner Sendung auf FLUX FM, zu sehen immer wieder auf Veranstaltungen und natürlich in der Stadt Bremen.   Sönke hat unsere brennenden Fragen beantwortet. — Wie beschreibst du dich in 3 Sätzen? — Gross. Blockig. und sofort zu erkennen.   — Wann hast du angefangen zu sprühen? — 1992     — Wie bist du zu Graffiti gekommen? — Ich fand es besser, dass Dinge so aussehen, wie ich möchte.   — Welche Maler haben dich inspiriert? — Phineas, Keno, Streetlaw, Lover, Baros, Boghe, Taki, Shek, Bloke, VCU und 1973.   — Wie würdest du deine Styles beschreiben? — Schnell.   — Welche Stadt repräsentierst du? — Bremen und New York.   — Bist du Mitglied von Crus? — ATAP   — Was ist dein Leitmotiv? — Dass die Sonne scheint und sich alles reimt.   Für noch mehr Einblicke in die Welt von Sönke Busch haben wir hier ein paar Links: Sönkes Blog Sönkes Tumblr Sönkes Instagram Sönkes Radioprogramm Sönkes Behance-Profil  ...

Making of: Sprayshirt

Für die Soundbombing Jam #1 in Kleinmachnow am 19.4.2014 haben wir Shirts vor Ort besprüht. Die Idee ist simpel, doch das Ergebnis ist mit jedem Druck ein einmaliges Unikat. Die Herstellung fängt an mit einer Schablone, die wir für die Shirts aus Pappe ausschneiden, besprühen und auf die Shirts drucken:   Dann wird das Innenleben des Logos besprüht und gedruckt:   Fertig ist das Prachtexemplar. Keine 2 Shirts sehen gleich aus und haben eine unverwechselbare Farbstruktur, die mit gewöhnlichen Druckverfahren in dieser Qualität nicht nachzumachen ist. Jedes Shirt ein 100% Street Art...

Making of: Mayara und Gautama

Unser jüngstes Custom Package (Eine Leinwand + 2 Shirts) ist fertig geworden. Dieses Mal wurde uns der gestalterische Spielraum überlassen. Es sollte ein Geburtstagsgeschenk werden. Es ist ein gut aussehendes Paar. Brasilianer. Sie sind freundlich, offen, warmherzig. OK. Dazu machen die beiden viele lustige Selfies und treiben viel Sport. Sehr gut. Zur Einstimmung bereiten wir paar Skizzen vor. Welche Richtung soll’s gehen?     — Die Zweite! Rücken an Rücken gefällt mehr. Gut, diese arbeiten wir aus.   Währenddessen fängt EVOL an, Initiale zu flexen. Ein M und ein G sollen es werden. Spritzig, bunt, energisch.     BAER schaut sich ca. 5000 Selfies von den beiden an. Merkt sich deren Outfits und Posen.   EVOL ist unzufrieden mit den Buchstaben. Sucht weiter.     BAER findet passende Pose der Figuren     EVOL findet passende Buchstabenform. Gleichzeitig kommt die Idee mit dem Podest.   Diese Idee wird ausprobiert. Ne, flasht nicht. Weg mit dem Teil. Letztendlich wird eine Komposition gefunden, die schon geiler ist. Kurze Rücksprache mit Auftraggeber: — Gut so? — Sehr gut, weiter so! Sehr gut, weiter also. Die Farbtropfen anders fließen lassen, die Kleckse anders batschen, die Haare aufpeppen, Buchstaben zurecht rücken. Fertig ist das brasilianische Traumpaar in Graffiti-Mode:   Nun die Leinwand drucken.   Reality check:   Passt. Danke Mayara und...

Making of: Sound Bombing

Für ein Hip Hop Event in Kleinmachnow namens Soundbombing kam ein Auftrag, das Logo und Streetwear zu produzieren. Um es raw und kulturecht zu halten, wurde zugunsten eines reinen Graffiti-Pieces entschieden. Varianten ausprobieren:   Nach Rücksprache mit Sean ist eine Richtung ausgewählt. Diese Skizze wird um Elemente ergänzt und aufgepimpt:   Der Kunde ist, wie Kunden glücklicherweise sind, natürlich pingelig und möchte alle Säfte aus dem Design ziehen. Wären doch unsere Arbeiten langweilig, wenn’s anders wäre Schließlich wird eine saubere Variante gefunden, mit der alle zufrieden sind. Jetzt nur noch ausputzen:   Auf Flyer bringen. Passt? Passt! Fertig ist die Sauce:   Die Aktion fand am 19 April 2014 statt. Außer dem erstklassigen Lineup von Künstlern und Performances waren wir auch am Start, konnten befragt und befummelt werden. Ok, nicht so befummelt werden, wie du gerade...

Making of: Nils und Melina

Schön ist es, wenn Leute wissen, wonach sie suchen. Sie wollen ein bestimmtes Bild haben — es soll an diese Wand passen: – Es soll ein Poster in A0 werden. Am besten mit Namen. Oder Initialen. Und ausgeschmückt. In Querformat. Irgendwas mit Reisen und Schlangen. – OK. Wie wär’s in der Richtung?     – Ja! Buddhistisch ist gut. Noch mehr Berge wären nicht schlecht. Und französische Lilien sollten drauf. – Na dann! Irgendwie so:   – Yo! Die Richtung ist gut. Die japanischen Bäume sind klasse. Vielleicht die Schlange etwas aggressiver? Nur die Farben sind doch nicht ganz so toll, wie gedacht. Statt rot — kupfer. – Klar! Irgendwie so:   Oder eine ganz andere Farb-Kombi?   – Ne, jetzt nur noch den Drachen kupferfarben. Rest — schwarz-weiß. – Kein Ding! Leichtes Sepia statt schwarz-weiß ist besser. Nun denn:   – Jackpot! – Japckpot it is: Danke Nils und...

Making Nikita Shirt

Heute zeigen wir euch am Beispiel vom „Nikita“-Piece, wie ein Custom Shirt entsteht. Zuerst wird per Hand eine Skizze angefertigt.   EVOL skizziert gern im Format A3, weil ihm andere Formate zu klein sind. Am liebsten würde er im Format „Nachbars Außenfassade“ skizzieren, aber der Nachbar hat was dagegen.   Danach wird diese Skizze eingescannt und weiter in Photoshop bearbeitet.   Wir probieren verschiedene Farbvariationen aus. Bis der Shirtträger zufrieden ist.     Anschließend wird das Piece auf den Träger gebracht. Für die Custom Shirts entscheidet der Kunde, welche Farbe das Shirt haben soll. In diesem Falle ist es ein braunes geworden.   Nur noch anziehen und lostragen.   Neid von Freunden und Riesenaugen sind im Preis inklusive. Danke...

Intro: EVOL

Die Serie «Writer-Vorstellung» geht mit EVOL los. Wer bist du? Mein Name ist EVOL. Graffitiartist in Berlin. EVOL ist LOVE. Liebe zur Graffitikultur in all ihren Ausprägungen. EVOL ist auch Evolution. Sowohl die künstlerische stilistische Evolution, als auch die individuelle menschliche Evolution hin zur vollständigen Verwirklichung unseres Selbst auf diesem krassen Planeten! Wann hast du angefangen zu sprühen? Angefangen zu Sprühen habe ich kurz vor der Jahrtausendwende. Die erste Writer-Generation nach dem Fall der Mauer in meiner Gegend und deren Pieces haben mich stark beeindruckt. Aber damals kam mir das alles weit weg und unerreichbar vor. Erst als ein neuer Freund in meine Klasse kam und mir die Kultur als Schulbanknachbar nahe brachte, platzte der Knoten und ich wurde aktiv. Welche Maler haben dich inspiriert? Kakao 77, Kaos, Odem, Wow 123, Daim, Des, Ces, Seen sind nur einige, die mich heftig begeistert haben und vor allem die fantastischen Character meines Homies Killa-Klown! Wie würdest du deine Styles beschreiben? Meine Styles sind manchmal verträumt und verspielt bis hin zur Gestaltung eigener Stylelandschaften und Konstruktionen mit architektonischen Elementen. Andere richten den Fokus mehr auf die Ästhetik der Form selbst. Daneben kommen immer wieder Impulse, in denen ich den intensivsten Ausdruck in einer derben Strichführung suche. Welche Stadt repräsentierst du? Meine Arbeit repräsentiert Berlin, als ein Teil der Stadt, automatisch. Das ist eine natürliche Konsequenz, kein bewusster Akt. Abgesehen davon bin ich sehr gerne hier! Was ist dein Leitmotiv? Kunst, gleich welcher Art, ist ein spannendes Werkzeug auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Graffitikunst ist hierbei für mich besonders faszinierend. Die Summe der vielfältigen Aspekte der Graffitikunst hält unserer Epoche den schärfsten Spiegel vor....